Fastenzeit

 

Die Skulptur „Kreuzabnahme“ in der Fastenzeit 2021
in der Kirche des Klosters Immaculata, Neuss

 

Was als erstes in der Kapelle des Klosters Immaculata in der Fastenzeit 2021 ins Auge fällt:
das große Prunkkreuz über dem Altar trägt eine violette Stola.

 

Das Kreuz, das über dem Altar hängt, ist das Werk des Goldschmiedes Theo Schreggen (Köln 1972). Es wird durch die violette Stola zur Herausforderung: mit größerer Aufmerksamkeit sollen wir in dieser Zeit auf Ostern hin – dem Fest der Auferstehung Jesu, des Lebens – gehen, um uns blicken und stets die Wahrheit suchen; eventuell sogar zur Umkehr bereit zu sein. Das Kreuz strahlt aber trotz violetter Stola: Es will unseren Glauben an die Auferstehung stärken, den Sieg Christi über den Tod.

 

Unter diesem Prunkkreuz und vor dem Altar steht die gusseiserne Skulptur „Kreuzabnahme“ des Bildhauers Helmut Moos, die nicht sofort auffällt. Die Skulptur wurde im Juli 2020 vom Neusser Architekten und Kunstfreund Rudolf Küppers dem Kloster Immaculata geschenkt.

Erst beim näheren Hinsehen werden wir die Skulptur erkennen. Die „Kreuzabnahme Jesu“ wurde – so können die entsprechenden Passagen im Matthäus- und im Markusevangelium gelesen werden – nicht von den Begleitern Jesu, sondern staatlicherseits geleistet (vergleiche Mt 27,57-58 und Mk 15,45). Hier wie dort wurde ein Leichnam vom Ort des Geschehens von entsprechend geschultem Personal entfernt, genauer: beseitigt. Zwei Männer nehmen den Leichnam ab. Sie sind auf einander eingespielt, ihr Tun ist für sie alltägliche Routine – eine Routine, die sie die Vorübergehenden nicht zur Kenntnis nehmen lässt.

Der eine greift, um den Leichnam transportieren zu können, nach dem Oberkörper, der andere beugt sich, um hinter die Kniekehle greifen zu können. So können sie den Hebevorgang gleichzeitig beginnen. Und der Leichnam Jesu, geschunden von Folter und Kreuzigung, biegt sich zur Erde hinab und wird vom den beiden Männern aufgefangen.

 

Helmut Moos (* 20. Februar 1931 in Bonn; † 11. Oktober 2017) war ein deutscher Bildhauer. Er studierte 1949 bis 1958 bei Josef Jaekel und Gerhard Marcks in Köln und Hans Wimmers an der Kunstakademie in Nürnberg. Die Skulptur „Kreuzabnahme“ entstand 1975. Noch eine andere Skulptur von Helmut Moos steht in Neuss: die Büste von Kardinal Frings, 1968. Sie wurde von der Sparkasse an das Clemens-Sels-Museum gespendet. Bedeutend sind die Werke von Helmut Moos in der 1978 errichteten Kirche St. Katharina in Hückeswagen-Wiehagen. Neben Kleinplastiken von Menschen und Tieren und profanen Denkmälern schuf er vor allem Werke für sakrale Räume, wie Altäre, Kruzifixe, Portale für die Herz-Jesu-Kirche in Euskirchen und eine Kanzel im Braunschweiger Dom.

 

Möge diese kommenden 40 Tage auf Ostern hin uns den Blick für Gott und die Mitmenschen öffnen oder offen halten, damit wir bereit sind, „bei der Kreuzabnahme zu helfen“.

Gott will sich immer wieder in unsere Arme fallen lassen!

 

(Foto und Text: Jochen Koenig, Pastor)